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Euthanasie-Verbrechen

Geschichte->Euthanasie-Verbrechen

„Euthanasie“-Verbrechen in Südwestdeutschland – Grafeneck 1940

Historische Bedeutung

Grafeneck steht als Ort für eines der „arbeitsteiligen Großverbrechen“ des Nationalsozialismus. Auf dem Gelände des Schlosses werden zwischen Januar und Dezember 1940 10.654 Menschen – Männer, Frauen und Kinder - in einer Gaskammer ermordet. Am 18. Januar beginnen hier die NS-„Euthanasie“-Verbrechen. Grafeneck und der deutsche Südwesten mit den historischen Ländern Württemberg, Baden und Hohenzollern sind der erste Ort und die erste Region von denen die Ermordung geistig behinderter und psychisch erkrankter Menschen in Deutschland ihren Ausgang nahm. Noch prinzipieller formuliert: Grafeneck ist der erste Ort systematisch-industrieller Ermordung von Menschen im nationalsozialistischen Deutschland überhaupt. Es steht somit am Ausgangspunkt ungeheuerlicher Menschheitsverbrechen. Unterstrichen wird diese Perspektive zusätzlich durch die spätere Übernahme des Mordverfahrens für den Mord an den europäischen Juden ebenso wie durch die Tatsache, dass ein Viertel der Täter von Grafeneck in den Vernichtungslagern des Ostens, wie Belzec, Treblinka, Sobibor und nicht zuletzt Auschwitz-Birkenau eingesetzt werden.
Grafeneck besitzt für die Geschichte Deutschlands und Südwestdeutschlands im Nationalsozialismus eine außergewöhnliche und einzigartige Bedeutung. Am 18. Januar 1940 begann auf dem Gelände des Schlosses Grafeneck mit der „Aktion T4" der NS-„Euthanasie“- Krankenmord. Er steht am Ausgangspunkt und Beginn einer Entwicklung von ungeheuerlichen Verbrechen gegen die Menschheit.
Die Spuren der Täter und der von ihnen entwickelten Tötungsverfahren führen von Grafeneck in die Vernichtungslager im Osten: Belzec, Treblinka, Sobibor und Auschwitz-Birkenau.
Im Oktober 1939 wurde die bestehende Behinderteneinrichtung vom Württembergischen Innenministerium „für Zwecke des Reichs“ beschlagnahmt und ab Januar 1940 zum ersten Ort der ‚systematisch-industriellen Ermordung' von Menschen im nationalsozialistischen Deutschland. Die „Aktion T4" forderte allein in Grafeneck im Jahr 1940 über 10.600 Opfer. Diese Menschen, Männer, Frauen und Kinder jeden Alters, wurden in einer Gaskammer auf dem Gelände des Schlosses mit Kohlenmonoxyd getötet. Zu den Opfern zählten diejenigen Menschen in den Heil- und Pflegeanstalten, die in den Augen der Täter – und dies nicht erst seit der Zeit des Nationalsozialismus, sondern bereits seit Ende des 19. Jahrhunders – als „lebensunwertes Leben“ galten. Dies waren in erster Linie Menschen in Einrichtungen, deren Arbeits- und Leistungsfähigkeit nicht mehr vorhanden oder stark gemindert waren, Menschen die als „Langzeitpatienten“ angeblich die öffentlichen Haushalte des Landes, der Kreise und der Kommunen belasteten sowie Menschen, die von NS-Gerichten als „Kriminelle“ in Heil- und Pflegeanstalten eingewiesen waren. Mit der gleichzeitigen Erfassung aller jüdischen Patienten in den psychiatrischen Einrichtungen Württembergs und Badens und ihrer Ermordung in Grafeneck, sowie der späteren Übernahme der Technologie und des Personals der Gasmordanstalten begann hier ein Weg, der in den „Holocaust“, die Ermordung der deutschen und europäischen Juden, mündete.




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