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Täter
Horst Schumann
Christian Wirth
Kurt Simon
Christian Wirth

Geschichte->Täter->Christian Wirth

Christian Wirth

Bildnachweis: Hauptstaatsarchiv Stuttgart, E 151/21, Bü. 1684

Christian Wirth war in seiner Funktion als erster Büroleiter und Leiter des Sonderstandesamtes Grafeneck zuständig für den Aufbau eines umfangreichen bürokratischen Verwaltungsapparates, welcher die bürokratische Abwicklung der „Euthanasie“-Morde gegenüber Angehörigen, Anstalten und Kostenträgen vornahm. Im Januar 1940 war er, nachdem er zuvor an einer so genannten ‚Probevergasung‘ in Brandenburg teilgenommen hatte, zusammen mit Dr. Horst Schumann für die ersten Vergasungen in Grafeneck zuständig. Noch im Januar/Februar 1940 wechselte Wirth von Grafeneck in andere Vernichtungsanstalten der „Aktion T4“. Auch dort leitete er den Aufbau der Büroabteilungen. Christian Wirth stieg später in die Führungsspitze der „T4“-Organisation auf und wurde zum Inspekteur aller sechs „Euthanasie“-Vernichtungsanstalten ernannt.
Christian Wirth war 1885 im schwäbischen Balzheim, Kr. Laupheim geboren. Vor dem Ersten Weltkrieg war er in die uniformierte Polizei eingetreten – zuerst Stadtpolizeiamt Heilbronn, später städtisches Polizeiamt Stuttgart. Im Ersten Weltkrieg erreicht Wirth den Rang eines Unteroffiziers. Während der Weimarer Republik war er beim württembergischen Landespolizeipräsidium beschäftigt und dort 1932 zum Kriminalinspektor und 1938 zum Kommissariatsleiter/Abteilungsleiter befördert.
Er schloss sich bereits vor 1923 der NSDAP an, schied dann nach dem „Hitlerputsch” aus und wurde 1931 als „alter Kämpfer” erneut aufgenommen. 1933 trat Christian Wirth der SA bei, wechselt 1939 zur SS über, wo er den Rang eines Obersturmführers einnahm. Gleichzeitig war er auch Mitglied des Sicherheitsdienstes (SD) der SS. Ende 1939 wurde Wirth nach Grafeneck abkommandiert. Von dort wechselte Wirth in die Vernichtungsanstalt Brandenburg/Havel, der nach Grafeneck zweiten Vernichtungsanstalt der „Aktion T4“. Auch dort wie zuvor in Grafeneck und später in Hartheim/Linz und Hadamar leitete er den Aufbau und hatte die Leitung der Büroabteilung inne. Ab Ende 1941 war Christian Wirth zum Aufbau des Vernichtungslagers Belzec eingesetzt und wurde dessen erster Kommandant. Durch seinen Aufstieg zum Generalinspekteur der „Aktion Reinhard“ übernahm Wirth eine Schlüsselstellung bei der Ermordung der europäischen Juden. Ihm unterstellt waren die Vernichtungslager Belzec, Sobibor und Treblinka in denen über 1,5 Millionen Menschen ermordet wurden. 1942 wurde Christian Wirth zum Polizeimajor und Sturmbannführer der SS ernannt. Im September 1943 wird er nach Triest versetzt. Von dort werden italienische Juden in die Vernichtungslager des Ostens deportiert. 1944 kommt Wirth auf ungeklärte Weise ums Leben, erschossen von italienischen Partisanen oder eigenen Leuten
Nach dem Krieg ordnete die Spruchkammer Stuttgart-15 die Einziehung seine Nachlasses. Ein Jahr später wurde dieses Urteil aufgehoben, mit der Begründung, dass wenn Christian Wirth noch leben würde, er in die Gruppe der Minderbelasteten einzureihen wäre.


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