GESCHICHTE | GEDENKSTÄTTE | DOKUMENTATIONSZENTRUM | VEREIN | KONTAKT | AKTUELLES |
Geschichte
Chronik
Euthanasie-Verbrechen
Täter
Horst Schumann
Christian Wirth
Kurt Simon
Opfer
Protest
Bibliographie
Täter

Geschichte->Täter

Die Täter von Grafeneck 1939 bis 1941

Eines der großen Anliegen der vergangenen Jahre war es - und wird es weiter sein - die Namen der in Grafeneck 1940 ermordeten Menschen wieder zu finden, diese gleichsam der Vergangenheit und dem Vergessen zu entreißen. Inzwischen sind über 8.000 Opfer namentlich bekannt.

Was lange Zeit aber aus dem Blick verschwunden war, waren die „Täter”. Die „Tat” war das Verbrechen der Ermordung von über 10.500 Menschen. Ein von staatlicher Seite angeordnetes und durchgeführtes Verbrechen dieser Größenordnung bedurfte einer Vielzahl von Tätern, Mittätern, Mitwissern und Zuschauern. Das Verbrechen war von daher hochgradig arbeitsteilig organisiert. Vereinfacht gesagt kann man die Täter auf drei Ebenen lokalisieren. Auf der zentralen Ebene des Reichs, also in Berlin, zu nennen wäre da das Reichsinnenministerium und nicht zuletzt die aus der Kanzlei des Führers der NSDAP hervorgegangene T4-Behörde in der Tiergartenstraße 4. Unverzichtbar im Sinne der Durchführung und des reibungslosen Gelingens dieses Verbrechens war aber die Mitwirkung, Duldung und Geschehenlassen von staatlichen, halbstaatlichen Behörden und parteiamtlichen Organen auf Landesebene, wie dem Württembergischen Innenministerium, aber auch dem badischen oder bayerischen, der Wohlfahrtsverbände, wie dem Württembergischen Landesfürsorgeverband in Stuttgart sowie auch deren untergeordneten Stellen, d.h. der Landräte, der Kreis- und städtischen Wohlfahrtsverbände usw. Die Wahl Grafenecks als Standort für die reichsweit erste Vernichtungsanstalt ging auf das enge Zusammenwirken von verschiedensten Stellen auf Reichs- und Landesebene zurück. Hierzu zählten die Kanzlei des Führers, aus der heraus sich die ‘T4’-Behörde (Tiergartenstraße 4) entwickelte, das Reichsinnenministerium und nicht zuletzt das Württembergischen Innenministerium in Stuttgart. Die dritte aber wenn man so will entscheidende und bisher weitestgehend vernachlässigte Ebene, sind die Täter vor Ort in Grafeneck. Also diejenigen, die dem Verbrechen am nächsten waren und für seine unerbittliche Vollstreckung sorgten. Man nimmt an, dass es ungefähr 90 bis 100 Personen waren, die in Grafeneck zwischen Oktober 1939 und März/April 1941 – solange währte die „Aktion T4“ in Grafeneck - im Schloss ihre Diensträume, Aufenthaltsräume, Schlaf- und Wohnräume besaßen.

Über die Täter liegen eine Vielzahl von neuen Erkenntnissen vor. Über 60 können heute namentlich ermittelt, ihre soziale Herkunft, ihr beruflicher Werdegang und schließlich ihr „Weg“ nach Grafeneck, rekonstruiert werden. Drei der fast 100 Täter von Grafeneck , einer der Mediziner, ein Polizeikommissar sowie eine kaufmännischer Angestellter und Verwaltungsfachmann, die allesamt wichtige Funktionen in Grafeneck bekleideten, werden im folgenden kurzbiografisch porträtiert.

Sitemap Search Home